...But Alive

Das Hamburger Quartett But Alive gehört bis 1999 zu den einflussreichsten deutschen Punk-Bands und behauptet sich neben Wizo, den Boxhamsters oder Dackelblut über vier Platten und sieben Jahre hinweg an der Spitze der deutschen Punk-Bewegung.
Eigentlich als kleine Fun-Band gestartet entwickelte sich der politische Anspruch immer mehr als festes Markenzeichen der Gruppe heraus. Angespornt durch deutsche Formationen wie EA80 und vor allem Slime avancieren But Alive schnell zu einem der größten Sprachrohre der intellektuellen Punk-Szene. Wegen ihrer links-radikalen und hoch-politischen deutschen Texte darf man But Alive aber noch lange nicht mit den stumpfen Parolen der "Pöbel&Gesocks"-Punks gleichsetzen. Ihre Message ist in anspruchsvollen Lyrics versteckt, die nicht selten (auch von den eigenen Fans) falsch ankommen.
Nach einigen Bassistenwechseln findet sich schließlich das Line-Up um Marcus Wiebusch (Texter, Sänger und Gitarrist), Frank Tirado-Rosales (Schlagzeug), Hagen Van der Viren (Gitarre) und Torben Meissner (Bass) als festes Bandgefüge. Bis zur dritten Platte "Bis Jetzt Ging Alles Gut" sind But Alive noch Slogan-Lieferanten für die Szene und schaffen Klassiker wie "Nur Idioten brauchen Führer"

In die Kontroverse geriet der Song "Ich möchte Ilona Christen die Brille von der Nase schlagen", der 1997 zunächst auf der Split-7" mit der kanadischen Hardcore-Band I Spy und später auf dem dritten Album "Bis jetzt ging alles gut..." erschien. Die TV-Moderatorin Margarethe Schreinemakers wird dort in einer Textzeile als "Quotenhure" bezeichnet, was der Band den Vorwurf des Sexismus einbrachte.

Mit Platte Nummer Vier "Hallo Endorphin" vollziehen But Alive einen markanten Wandel. Auf ihrem Klassiker benutzten die Hamburger erstmals Streicher, Bläser, Synthies und elektronische Samples. Auch die einst so trotzigen Texte fallen diesem Wandel zum Opfer, werden persönlicher und sehen längst nicht mehr alles so aussichtslos und schlecht wie früher. Die Szene steht daraufhin praktisch Kopf und wirft der Band Verrat, Ausverkauf und ein Abdriften in die Hamburger Schule vor, mit der But Alive nie wirklich etwas gemeinsam hatten.

"Alle Bands, die mir was bedeutet haben, haben sich entweder aufgelöst oder zu irgendeinem Zeitpunkt etwas verändert.", versucht sich Sänger Marcus Wiebusch in einem Interview zu rechtfertigen. Auch dass Punk für ihn in erster Linie nicht die Musik, sondern die Einstellung ausmacht, mag die Kritiker nicht beruhigen. Genervt von den prolligen Punk-Iros, von der Unbeweglichkeit einer Szene und auch von sich selbst geben But Alive 1999 ihre Trennung bekannt. Man habe sich sowohl musikalisch als auch persönlich in verschiedene Richtungen entwickelt, hieß es in der Auflösungserklärung auf der Homepage. Ein weiterer Grund waren die stark negativen Reaktionen der Punkszene auf das in diesem Jahr veröffentlichte Album Hallo Endorphin, in dem ...But Alive textlich und musikalisch eine völlig neue Richtung einschlugen und sich vom Punk entfernten.

Hauptkraft Marcus Wiebusch werkelt erst mit Rantanplan ein bisschen umher, bei denen er zusammen mit But Alive-Basser Torben Meissner schon seit 1995 Ska-Punk aus Spaß an der Freude schrabbelt, bis er auch dort aussteigt um Kettcar zu gründen. Mit Frank Tirado-Rosales ist in der neuen Band auch ein altes But Alive-Gesicht wiederzufinden. Das bandeigene Label BA Records, auf dem die Weakerthans und Tomte ihre ersten Platten veröffentlichen, wird zusammen mit Thees Uhlmann zu Grand Hotel Van Cleef Records. Mit Platten von Olli Schulz, Marr und eben Kettcar sowie Tomte', bringt es den dringend benötigten frischen Wind in die deutsche Labellandschaft.


Drei der vier Alben-Cover (Für uns nicht, Nicht zynisch werden!?, Bis jetzt ging alles gut...) zeichnete Eric Drooker. .